Breaking Beck? Eher nicht!

Eigentlich wollte ich gar nichts schreiben über Volker Beck und das, was (mit) ihm geschehen ist. Wie man sieht, tat ich es doch! Trotzdem habe ich keine Lust mich zu profilieren auf Kosten der Fehler anderer. Sicher, man muss Spaß machen dürfen. Und man darf eben auch über Personen Spaß machen, die in der Öffentlichkeit stehen. Auch Volker Beck selbst ist, so wie ich ihn kennen gelernt habe, kein gänzlich humorloser Mensch. Auch nicht im Umgang mit Fehlern politischer Gegner und Weggefährten. Und er verfügt über ein gewisses Maß an Selbstironie.

Zugegeben, ich kenne Volker Beck nicht wirklich. Ich habe ihn ein paarmal getroffen. (Zum Teil berichtete ich auch hier davon.) Ich bin von ein paar seiner politischen Ideen und Leistungen betroffen. Aber ich bilde mir nicht ein, mit ihm befreundet zu sein, ihn als Privatperson zu kennen, überhaupt viel von seiner Persönlichkeit beurteilen zu können. Das muss ich auch gar nicht. Denn es geht mich nichts an. Genauso wenig wie das Privatleben der meisten anderen Menschen auf dieser Welt.

Wo hört Privatleben auf, wo fängt politische Verantwortung an – und umgekehrt?

Genau aus diesem Grund, habe ich keine Ahnung, wie genau es dazu kam, dass Volker Beck mit Crystal Meth erwischt wurde. Ich habe keine Ahnung, ob er davon abhängig ist, oder zum ersten Mal überhaupt in Berührung damit kam. Und im Prinzip wäre es mir auch völlig egal, wäre ich nicht grundsätzlich der Meinung, dass jeder, der ohne lebensverändernde und -gefährliche Mengen von Drogen auskommen möchte, dabei unterstützt werden, und jeder der es nicht schafft, dafür bemitleidet werden muss. Ich habe eine kurze Zeit in Berlin gelebt. Und ich habe (nicht in Relation dazu) selbst auf vielfältige Weise Berührungspunkte zu verschiedenen Formen von Drogen(-konsum) und persönliche Beziehungen zu Konsumenten und Abhängigen (gehabt). Spaß muss erlaubt sein. Aber um den Sachverhalt mal einzuschätzen:

Haschisch – uninteressant
Koks – Normalität
Crystal Meth – Mitleid

Jedem, der sich, ganz unabhängig von den aktuellen Ereignissen mit dem Thema Crystal Meth auf eine vielleicht unterhaltsamere Weise als in Wikis und Drogenberatungen auseinandersetzen möchte, empfehle ich den Tatort „Borowski und der Himmel über Berlin“, einen der erfolgreichsten deutschen Fernsehfilme 2015. Jedem, der das Thema an sich danach noch lustig findet, wünsche ich viel Spaß!
Erst vor wenigen Tagen habe ich darüber geschrieben, was ich grundsätzlich davon halte, auf Fehlern herumzuhacken, versteckt hinter der Anonymität von sozialen Netzwerken. Insbesondere dann, wenn sie eingesehen und entsprechende Konsequenzen gezogen werden (wie hier geschehen). Der eigentliche Skandal ist, daraus nun einen Skandal zu machen. Sebastian Edathy wurde mit Kinderpornographie in Verbindung gebracht. Dass diese anderen Menschen schaden zufügt, dürfte unstrittig sein. Wenn ein gewählter Volksvertreter damit in Verbindung steht, ist das ein Skandal. Wenn er, trotz (zumindest dahingehend) eindeutiger Ausgangslage, keinerlei Veranlassung sieht, von seinen Posten zurückzutreten, ist das moralisch verwerflich. Beides trifft auf den vorliegenden Sachverhalt nicht zu. Volker Beck hat alle seine Ämter und Posten sofort zur Verfügung gestellt. So konsequent, wie er es immer von anderen gefordert hat. Und das, obwohl er eigentlich niemandem geschadet hat, außer vielleicht sich selbst.

Einige, zugegeben vereinzelte, Stimmen werden nun laut, dass dieser „Skandal“ der LGBTI*-Community auf lange Sicht schaden werde. Auf Facebook lese ich beispielsweise, rechte und radikal-konservative Populisten stürzten sich nun auf diesen Fehler und zögen nun über diese ganzen „schwulen Drogenjunkies“ her. Wahrscheinlich ist das so. Sollen sie doch. Wie ich über den Umgang mit Fehlern denke habe ich bereits hinlänglich beschrieben. Und was Volker Beck dem entgegen zu setzen hat, war noch vor wenigen Tagen im TV zu bewundern. Ich habe sogar darüber geschrieben. Und solange Politiker Menschen öffentlich für (ihre) Menschenrechte einstehen und kämpfen, solange sie mit Argumenten gegen Gewalt und Dummheit vorgehen, ist mir relativ egal, was sie in ihrer Freizeit machen, wenn es niemand anderem schadet. Und wie muss sich Frauke Petry nun in Grund und Boden schämen. Ihre politischen Ideen und Forderungen werden vor laufenden Kameras sogar von einem „schwulen Drogenjunkie“ nach allen Regeln der Kunst argumentativ auseinander genommen. Ich will das gar nicht weiter denken: Der eine soll womöglich sein Mandat abgeben, die andere, deren Argumente nicht einmal einem Zugehörigen einer ihrer Meinung nach verachtenswerten Minderheit standhalten können, könnte eines bekommen.

Breaking Beck? Eher nicht!

Hoffen wir mal, dass es dazu (zu beidem) nicht kommt. An „Breaking Beck“ wie es in Anlehnung an eine nicht ganz themenfremde TV-Serie in den sozialen Medien die Runde macht, glaube ich persönlich nicht. Dazu braucht es wohl mehr, wenn Volker Beck der kämpferische Typ ist, als den ich ihn dann eben doch kennengelernt habe. Es hat schon weit größere, echte Skandale gegeben, die politisch und menschlich überstanden wurden. Es könnte eben schon bald wieder absolute Normalität sein, dass Volker Beck eine angriffslustige Rede im Bundestag hält. Oder, um im Jargon zu bleiben: „I’ll be Beck!“

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2 Gedanken zu “Breaking Beck? Eher nicht!

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