3, 2, 1… Liebe!

Heute ist Valentinstag! Oder, wie ich ihn nenne: Mittwoch! Also gleich doppelter Grund zur Freude. Es ist der Tag, endlich mal wieder meine Meinung zu bloggen – und er serviert mir auch gleich das passende Thema auf dem Silbertablett.

Liebe auf Knopfdruck
Valentinstag also. Ja, schön. Das ist als Pärchen sicher romantisch, wenn man sich, wie jedes Jahr, ein paar schöne Blumen schenkt, leckere Pralinen dabei hat oder den Abend zu zweit bei leckerem Essen und einem guten Wein genießt. Aber hey, richtig – das geht ja auch an jedem anderen Tag! Deshalb wirft der – zumindest in meiner Wahrnehmung – immer überbordender durch alle Gewerke kommunizierte und beworbene Valentinstag bei mir ein paar Fragen auf:

  1. Braucht ihr diesen Tag, damit ihr wisst, dass ihr euch liebt?
    Könnt ihr das sonst nicht so, mit der Liebe und Romantik und dem Sich-Gegenseitig-Das-Gefühl-Geben-Das-Man-Wichtig ist, liebe ach so verliebte Pärchen?
    oder
  2. Lasst ihr euch von einem Tag diktieren, dass ihr euch liebt?
    Alle Jahre wieder am 14. Februar heißt es dann: Ach ja, heute müssen wir uns ja besonders lieb haben. Das zeige ich gleich mal mit einem Geschenk. Sonst ist es nicht echt.

Ehrlich gesagt ist es mir egal, wie die Antworten auf diese Fragen lauten. Liebe funktioniert auf einer völlig anderen Ebene. Ich würde niemals so etwas sagen wie: Liebe braucht keine Geschenke! Unsinn, Liebe braucht sogar ganz viele Geschenke. Jeden Tag. Große und kleine. Symbolische und unbemerkte. In Worten, Taten, Ideen. Liebe an sich ist vielleicht sogar das größte Geschenk. Die lässt sich doch nicht von einem Tag erklären, wann sie besonders stark und symbolisch zu sein hat! Das reicht auch gar nicht. Ich könnte jetzt in alten Geschichten von vor knapp zwei Monaten kramen, die davon handeln, dass man sich nicht nur an einem bestimmten Tag lieben soll und einfach das Wort „Weihnachten“ mit „Valentinstag“ ersetzen. An Weihnachten erzählen das nämlich immer alle. Dass man sich nicht nur an Weihnachten lieben soll.

Kommerzielle Gesellschaftsspaltung
Und kaum ein anderer Tag spaltet die Gesellschaft um mich herum so sehr, wie der Valentinstag. Da gibt es nämlich auf der einen Seite die, die sich lieben. Die Pärchen. Und auf der anderen Seite die, die den Tag allein verbringen (müssen). Die Singles. Allein diese Aufteilung ist natürlich völliger Unsinn. Was ist mit den frisch oder vielleicht-auch-gerade-noch-nicht-Verliebten? Die noch nicht so richtig offiziell ein Paar sind, einfach noch nicht so weit, ausgerechnet heute diesen Schritt zu machen, der an jedem anderen Tag völlig normal wäre aber durch den Druck von außen ja doch irgendwie von einer ganz anderen Tragweite. Was ist mit den Paaren, die (un)glücklich weit voneinander entfernt sind und den Tag heute nicht gemeinsam feiern können? Fallen die jetzt auch in die Zielgruppe „unglücklich am Valentinstag“. Denn natürlich hat die Werbeindustrie auch die längst für sich entdeckt. Ein mittlerweile (aufgrund der marktstrategischen Vorgehensweise seines Mutterkonzerns) nicht mehr ganz so eng befreundeter Arzt aus Bielefeld warb noch einen Tag vor dem großen Liebesfestival damit, um nicht allein zuhause zu sitzen, könne man sich ja noch schnell eine leckere Pizza organisieren. Das ist zwar auf den ersten Blick originell, zeigt aber auf den zweiten Blick eben auch, worum es hier eigentlich geht: Geld ausgeben.

Am Valentinstag hört die Freundschaft auf
Was ist mit Menschen, die gar nicht verliebt sind, sondern einfach zufällig heute Zeit haben, etwas miteinander zu unternehmen? Ich erwischte mich selbst bei meiner Wochenplanung dabei, wie ich einen schon länger geplanten Ausflug mit einem Freund lieber auf den Freitag, als auf den heutigen Tag legte. Die Begründung: „Na ja, das wäre vielleicht irgendwie seltsam.“ Fänd eigentlich keiner von uns beiden, aber ja vielleicht jemand anderes. Was? Jemand anderes? Wer denn bitte? Gemeinsame Freunde, womöglich noch unsere eigenen Partner, die uns kennen und dementsprechend wissen, wie sie es einzuordnen haben? Die anderen Leute im Restaurant? Die Illuminaten? Also echt! Aber was ist nun, wenn ich gerade dabei bin, jemanden kennenzulernen. Ganz ohne Hintergedanken, es entwickelt sich einfach womöglich eine Freundschaft, was man dadurch unterstützt, dass man gemeinsam etwas unternimmt. Kann ich da jetzt nach einer gemeinsamen Unternehmung für heute fragen, oder muss ich damit rechnen, dass dahinter gleich eine (mehr oder weniger) versteckte Botschaft durch die sprichtwörtliche Blume vermutet wird, die dann womöglich beim Treffen selbst auch erwartet oder pikanterweise gleich selbst mitgebracht wird? Vielleicht sollte ich dann jetzt erwähnen, dass es keine Valentinstags-Verabredung, sondern eine Trotz-Valentinstags-Verabredung ist. Wenn daran vorher gar kein Gedanke verschwendet wurde, kommt das bestimmt gar nicht seltsam rüber.

Liebt euch gefälligst!
Es ist mit diesem Feiertag, wie mit mittlerweile fast jedem anderen auch. Man begeht ihn „symbolisch“. Genau wie am Mutter- und Vatertag heißt es immer, man denke natürlich auch das ganze restliche Jahr aneinander, aber heute gebe es eben eine symbolische Geste. Geben wir dann auch nur „symbolisch“ Geld für Geschenke aus, von denen man die eine Hälfte eigentlich gar nicht haben wollte und die andere eigentlich gar nicht unbedingt braucht? An Tagen wie dem Frauentag, Aidstag oder dem Tag gegen Homo- und Transphobie hoffen alle immer, dass „so ein Tag irgendwann nicht mehr nötig sein wird.“ Warum eigentlich nicht auch am Valentinstag? Ja, liebt euch! Liebt euch öffentlich und laut, liebt euch heimlich und leise, liebt euch wie ihr seid. Aber wenn dann richtig und doch bitte nicht öffentlichkeitswirksam an einem einzigen Tag. Eben so, wie es auch bei uns zuhause hieß: „Wir machen da aber nicht mehr besonderes als jeden anderen Tag auch, oder?“ Und jetzt wünsche ich euch allen, weil ihr geliebt werdet, einen wunderbaren, traumhaften und liebevollen Valentinstag, oder wie ich ihn nenne: Mittwoch!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s